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Akten und Urkunden

Stiftbriefe (Gründungsurkunden) der Universität Wien 1365

Bereich: Akten und Urkunden
Institution: Universität Wien / Archiv der Universität Wien
Aufnahmejahr: 2014

Als erster Universitätsstifter ohne Königskrone besiegelte Herzog Rudolf IV. am 12. März 1365 die Gründungsurkunden für das Wiener Generalstudium mit Promotionsrecht in allen „erlaubten“ Wissenschaften, das nach dem Vorbild der Pariser Universität eingerichtet wurde. Ungewöhnlich war die Ausfertigung von zwei Urkunden mit weitgehend gleichem Inhalt, von denen eine in deutscher, die andere in lateinischer Sprache verfasst war. Diese richteten sich an unterschiedliche Personenkreise: die lateinische Urkunde an den Klerus und die Gelehrtenwelt, die deutsche an Laien und die Wiener Bürgerschaft. Außergewöhnlich ist auch die opulente Gestaltung der Urkunden auf großformatigen Pergamenten, mit Gold- und Auszeichnungsschrift bei Invocatio sowie Intitulatio und dem großen Reitersiegel des Herzogs (neben den Siegeln seiner jüngeren Brüder Albrecht und Leopold). Die beiden Diplome beurkunden nicht nur den Gründungsakt der
Universität Wien, sondern beinhalten auch ausführliche rechtliche und organisatorische Bestimmungen für die universitäre Gemeinschaft. Ohne Vorbild ist der – allerdings nicht verwirklichte – Plan eines eigenen „Universitätscampus“ innerhalb der Stadtmauern (im deutschen
Stiftbrief als „Pfaffenstadt“ bezeichnet).
Die Stiftbriefe dokumentieren den Beginn der ältesten Universität in Österreich, zugleich der ältesten im heutigen deutschsprachigen Raum, und der dritten unter den sogenannten „Stiftungsuniversitäten“ (universitates ex privilegio) östlich des Rheins und nördlich der Alpen (nach Prag 1347/48 und Krakau 1364). Herzog Rudolf IV. betrieb damit die Entwicklung Wiens zu einem politischen, geistlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Zusammen mit dem großzügigen Ausbau von St. Stephan in Wien trug ihm dies den Beinamen „der Stifter“ ein.

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